Konrad Schmid

Was können wir wissen und was können wir nicht wissen?

Eine kritische Perspektive aus der Theologie

Kann der Mensch jemals alles über sich und die Welt wissen?

Obwohl das Wissen immer weiter wächst, kann man davon ausgehen, dass damit auch das Nichtwissen zunimmt und ein vollständiges Verständnis der Welt dem Menschen wohl entzogen bleiben wird. Er gleicht letztlich einer Eintagsfliege, die aus den Erfahrungen eines einzigen Tages heraus den Kosmos verstehen will. Natürlich hat die Wissenschaft Methoden entwickelt und Kenntnisse generiert, die das Wissen der Menschheit auf einen nie gekannten Stand in seiner Geschichte katapultiert haben. Dass dadurch die Geheimnisse der Welt kleiner geworden sind, kann man allerdings nicht behaupten. Je genauer man hinsieht, desto komplexer erscheint die Mikro- und Makroorganisation der Welt.

Mit der Vorstellung der Welt als Schöpfung und des Menschen als Geschöpf hat die Theologie ein intellektuell anspruchsvolles Modell zu diesem Problemkreis entwickelt. Dieses Denkmodell hat mit seiner Tendenz zur „Entzauberung“ der Welt einerseits ihre wissenschaftliche Durchdringung möglich gemacht, sie andererseits aber auch als Grösse vorletzter Ordnung zu verstehen gelehrt. 

Die Theologie versteht sich als Wissenschaft, die die Begrenztheit menschlicher Existenz und menschlichen Wissens im Hinblick auf die Universität insgesamt thematisiert und die zugleich auf lebensweltliche Erfahrungen aufmerksam macht, die dem wissenschaftlichen Zugriff oft entgleiten.


Konrad Schmid ist Professor für alttestamentliche Wissenschaft und frühjüdische Religionsgeschichte an der UZH. Mehr



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