Lucas Prieto González-Posada

Neue Farbe, neues Medikament?

Das vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Vitamin B12 Derivaten

Die auffälligste Eigenschaft von Vitamin B12 ist seine intensive rote Farbe. Zusammen mit anderen natürlichen Stoffen wie Chlorophyll oder Häm bildet B12 ein schlagkräftiges Team von «Lebens-Pigmenten».

Möglicherweise denken Sie bei Farben nur an deren Ästhetik, jedoch haben diese natürlichen Pigmente aussergewöhnliche Funktionen in der Natur. Zum Beispiel färbt Chlorophyll Pflanzen grün und ermöglicht es ihnen so, Licht in Energie umzuwandeln, oder Häm verleiht Blut seine rote Farbe und transportiert Sauerstoff in unserem Körper. Was also ist das Spezielle an Vitamin B12?

Vitamine sind Nährstoffe, die wir über unsere Ernährung aufnehmen und die eine wichtige physiologische Rolle übernehmen. Jedes Mal, wenn wir zum Beispiel Fleisch essen, nehmen wir B12 auf. Sobald es in unserem Körper ist, beteiligt es sich an Zellwachstumsprozessen. Diese Beziehung zwischen B12 und Zellwachstum kann für medizinische Anwendungen genutzt werden.

Im Zelder Labor für funktionale bioanorganische Chemie der Universität Zürich verwenden wir deshalb B12 als Ausgangsprodukt, um neue therapeutische Wirkstoffe zu entwickeln. Nach Jahren chemischer Forschung, bei der das Vitamin modifiziert worden ist, haben wir herausgefunden, wie viele verschiedene Farben B12 haben kann – und verschiedene Farben bedeuten verschiedene Strukturen und damit auch verschiedene Eigenschaften. Es ist deshalb möglich, dass eines dieser veränderten B12-Derivate eines Tages das nächste vielversprechende Medikament gegen Krebs oder bakterielle Infektionen wird. Bedenkt man diese Forschung, wird es notwendig, Vitamin B12 nicht mehr nur als Nährstoff zu denken, sondern auch als Farbe und potentiell als Medikament gegen Krankheiten.


Lucas Prieto González-Posada hat am Institut für Chemie der Universität Zürich promoviert und ist jetzt bei Celgene tätig.



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